Unterwegs

Die Deutsche Bahn ist der Thees Uhlmann unter den Mobilitätsangeboten

Zehn Tage lang war ich BahnCard 25-Kundin. Dann habe ich gekündigt, zumindest innerlich. Denn ich war gerade (tatsächlich mit einem verspäteten Regionalzug) unterwegs und für eine ordentliche Kündigung braucht es 2019 nach wie vor einen gedruckten Brief. Juchee. Diese Formalität habe ich dann zeitnah erledigt und möchte nun erklären, warum die BahnCard meiner Erfahrung nach die mieseste Clubkarte ever ist.

Was hat das alles mit Thees Uhlmann zu tun?

Wer mich gut kennt, der weiß, dass ich mein Herz u.a. an deutschsprachige Gitarrenmusik verloren habe und ungehört alles, was das Hamburger Independent-Label Grand Hotel van Cleef (GhvC) kommt, kaufen würde. Doch jede Regel hat ihre Ausnahme. In diesem Fall ist es Thees Uhlmann. Mir ist bewusst, dass er viele viele Fans hat – gewiss berechtigterweise und mir ist auch bewusst, dass ich, im Eifer des Gefechts durchaus auch mal den ein oder anderen Song mitgröhle. Und damit wären wir beim Kern der Sache. Thees ist für mich wie die Bahn: Eigentlich mag ich’s nicht so gerne, aber ab und zu komme ich nicht drum herum und wenn es dann passiert, ist es (meistens) auch ganz erträglich. Nüchtern betrachtet kann aber beides weg. Oder diplomatisch ausgedrückt: zumindest an seinem Image inkl. Portfolio arbeiten. Sucht’s euch aus.

Preis vs. Leistung

Zurück zum Thema und der Frage, warum die BahnCard für meine Mobilitätsbedürfnisse nicht das richtige ist. Anlass für den Kauf der Probe-BahnCard war die Überlegung, dass ich damit meine regelmäßigen Besuche in meiner alten Heimat Karlsruhe langfristig kostengünstiger gestalten könnte. Hier stehen mir derzeit folgende Verkehrsmittel zur Option:

Kosten pro Fahrt (bei Buchung ca. 5 Tage vorher)Reisedauer (planmäßig und kürzeste Verbindung)
Fernbus10 Euro130 Minuten
Mitfahrgelegenheit10 Euro110 Minuten
Zug25 Euro128 Minuten
Sprit für privates PKW12 Euro110 Minuten

Um diese Werte ernsthaft vergleichen zu können, liefere ich noch den Hinweis, dass bei den Optionen 1-3 noch hinzukommt, dass ich erst zum Abfahrtsort (meistens Saarbrücken, meistens mittels ÖPNV – was zusätzlich 45-60 Minuten ausmacht) kommen und vom Ankunftsort (meistens Hauptbahnhof Karlsruhe) zum eigentlichen Ziel (plus ca. 30 Minuten Fahrt) noch abgeholt werden muss.

Da ich aufgrund einer gewissen Werteorientierung den Individualverkehr deutlich weniger sympathisch finde als die Anstrengung, gemeinsam mit anderen zu reisen, nutze ich die Option mit dem privaten (geliehenen) PKW zu fahren, so selten wie möglich. Also bleibt mir nur, an den ersten drei Optionen zu optimieren. Einen Versuch habe ich in dieser Variante gesehen: Mit dem (im Sommer 2019 neu erworbenen) Lieblingsfahrrad – Gepäck im Rucksack geschultert – zum Bahnhof und am Ankunftsort mit ebenjenem zum Ziel radeln. Selbstverständlich kosten auch diese Wege Zeit, aber ich bin zumindest nicht von vorgegebenen Abfahrtszeiten abhängig.
Diese Variante funktioniert allerdings nur in Verbindung mit der Option Zugfahren. Denn beim Fernbus gibt es nur auf ausgewählten Strecken (immerhin) die Möglichkeit, ein Fahrrad mitzunehmen und eine Mitfahrgelegenheit mit Fahrradträger habe ich zeitlebens noch nicht gesehen.

Bahncard – der Mitgliedsausweis für einen der enttäuschendsten Vereine der Welt

In der Theorie hat mich diese Idee „Fahrrad + Bahn“ total begeistert! Weiteres Optimierungspotenzial sah ich dann in der Möglichkeit, bei diesen regelmäßigen Fahrten Geld zu sparen, indem in BahnCard-Kundin werde. Gedacht, getan. Bloß machte ich genau in diesem Moment einen verheerenden Fehler: Ich überlas in den AGB, dass die BahnCard beim Buchen von sogenannten Länder-Tickets NICHT gültig ist. Diese Info habe ich dann am Telefon von einer Bahn-Mitarbeiterin der Service-Hotline bekommen und zwar kurz bevor ich in den eingangs erwähnten, später verspäteten Zug eingestiegen bin. Mit (damals noch altem) Rad und ordentlich Frust.

„Na, dann buch‘ doch kein Länderticket“, könnte man da jetzt raten. Dazu kurz ein Screenshot. Die 25 Euro sind der sogenannte „Sparpreis“, rechts der reguläre „Flexpreis“.

Screenshot Angebotsauswahl der Deutschen Bahn für die Verbindung Saarbrücken – Karlsruhe am 6.12.19 (Stand: 1.10.19)

Es ist also quasi im Sinne des Systems, dass ich die teurere Fahrt buche, um dann die BahnCard einsetzen zu können und damit zu sparen. Übrigens ist die Fahrradmitnahme im Fernverkehr per se erstmal nicht möglich und die Fernverkehr-Verbindung ist auch nicht wesentlich schneller als die mit den Regionalzügen. Aber dafür kann ja wirklich niemand etwas!
Ich kann diese Gegebenheiten aus den unterschiedlichsten Gründen einfach nicht nachvollziehen. Warum ist es 2019 in Deutschland immer noch so verdammt schwer, gescheite Mobilitätskonzepte bereitzustellen?

Ich habe lange genug in der Dienstleistungsbranche auf der falschen Seite gearbeitet,um zu wissen: Für einen Service, für den ich zahle, ist es für mich selbstverständlich, dass ich nicht bis zum allerletzten Moment Verständnis haben muss. Denn ich leiste meinen Part ja schon: Ich zahle!

Ich habe genügend Dienste in Anspruch genommen, um zu wissen: Wenn etwas in den AGBs verschwinden muss, haben zuvor Leute versagt. Manager, Produktdesigner, Investoren – you name it.

Solange die dicke Frau noch singt, ist die Oper nicht zuende

Byebye BahnCard: Am 6. Oktober 2019 endet das kurze Intermezzo mit diesem „Service“. Was nicht bedeutet, dass ich weiterhin sowohl als auf Fernreisen als auch anlässlich spontaner Kurzbesuche in die Züge der DB steigen werde. Genauso wie ich auch weiterhin die Songs von Thees Uhlmann bzw. von Tomte, seiner alten Band, hören und womöglich mitsingen werde. Denn Humor ist wenn man trotzdem lacht! In diesem Sinne für alle Insider zum Schluss noch ein passender Gag (Bild vollständig anzeigen lassen!):

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