Projekt „Nebentätigkeit“ – meine 30-Tage-Challenge

An einem der ersten sonnigen Wochenenden im irgendwie noch jungen, aber auch schon alt wirkenden Jahr 2021, krachte es wie ein umfallender Schrank voller Porzellan auf mich ein: Ich bin – was die Umsetzung von persönlichen Zielen – wie mein Vater. Tausend Sachen gleichzeitig starten, selten etwas wirklich umsetzen. Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Also hopp!

Leb bloß nicht wie ich

Vorweg: Dieser Text soll keine Kritik an meiner Erziehung sein, sondern bewusst machen, wie sehr familiäre Vorbilder prägen. Das passiert im positiven wie in negativen Kontexten. Dieser Text soll mir sinnbildlich einen selbstproduzierten Tritt in den Arsch verpassen in der Hoffnung, dadurch ein wenig von eingefahrenen Mustern wegzukommen.

Verhaltensmuster ändern – Dokumentation meiner ersten Schritte

Ich habe mir für 2021 ein berufliches Ziel gesetzt, für das ich neben Mut auch einiges an Geduld und gleichzeitig Disziplin aufbringen muss. Ich beginne das Projekt „Nebenerwerbstätigkeit aufbauen“ und mache meine ersten Schritte öffentlich, um mir einen kleinen künstlichen Druck zu erzeugen.

Tag 1: 21. Februar 2021

Die Erkenntnis über mein mangelndes Durchhaltevermögen in Bezug auf Projekte, die mich persönlich weiterbringen, trifft mich hart. Nach dem ersten Schock schwirren tausend Fragen durch meinen Kopf: Wie soll das Ding heißen? Was soll es können? Was soll es für einen Eindruck vermitteln? Und wie vermittelt es ihn? Schnell füllt sich das berühmte „weiße Blatt Papier“.

Tag 2: 22. Februar 2021

Ich hatte da doch mal eine Broschüre zu den Rahmenbedingungen einer Gründung. Gut, ich will mich natürlich nicht gleich von 0 auf 100 Selbstständig machen. Aber ein paar Leitplanken bietet sie dann doch. Was muss ich wie und für wen vorbereiten? Ich notiere mir weitere Gedanken und träume von meinem ersten Auftrag.

Tag 3: 23. Februar 2021

Nach den ersten beiden eher unruhigen Tagen wird es Zeit, die scheinbar wahllosen Notizen in echte Todos umzuwandeln. Ich erkenne eine erste Struktur, yeah! Heute entsteht die Idee für diesen Blogbeitrag. Ob ich mich wohl trauen werden?

Tag 4: 24. Februar 2021

Die Broschüre erweist sich als sehr hilfreich. Ich beginne damit, die Baustelle einzurichten, um die Leitplanken zu montieren. Typisch deutsch, hier muss alles seine Ordnung haben! Konkret: Ich beschäftige mich mit den Bestandteilen eines Businessplans.

Tag 5: 25. Februar 2021

Nicht nur inhaltlich muss ich mich aufschlauen, auch das Equipment braucht einen Refresh. Wisst ihr, welches Elektronikprodukt 2020 am meisten nachgefragt wurde? Richtig, Monitore! Den Trend geh ich doch glatt mit! Aber wie groß sollte er sein? Welche Spezifikationen sind sonst für meinen Bedarf relevant. Ich versinke in Recherche.

Tag 6: 26. Februar 2021

Ich versinke immer noch. Zugegeben, ich bringe nicht jeden Tag gleich viel Zeit auf, also erstreckt sich so eine Recherche gerne mal über einen längeren Zeitraum. Priorisieren – so wichtig! 😉

Tag 7: 27. Februar 2021

Bevor der anfängliche Drive nachlässt, schnell ein anderes Thema angehen. Ich durchsuche das Netz nach Vorlagen für die Genehmigung einer Nebenbeschäftigung beim Arbeitgeber und bereite sie vor.

Tag 8: 28. Februar 2021

Mein treuer Gefährte und ein echtes Erfolgsmodell. Immerhin habe ich damit meine Bachelorarbeit geschrieben!

Zurück zum Equipment-Referesh. Ich stelle das Gerät, an das besagter Monitor angeschlossen werden soll, in Frage. Mein treuer Begleiter, ein Dell Inspirion aus dem Jahr 2012, reicht zukünfitg wohl nicht mehr aus. Ich brauche einen neuen Laptop. Gut, dass es in meinem sozialen Umfeld einen Menschen gibt, der ganz offenbar ein passendes Shopping-Laster hat. So kann ich zu einem fairen Freundschaftspreis ein „ausrangiertes“ Lenovo Yoga mit mördermäßiger Konfiguration abstauben.

Tag 9: 1. März 2021

Wohlgemerkt: Ich beginne diese Challenge in der heißen Phase eines Projekts auf der Arbeit, dass heute Deadline hat. Auch wenn es dem Challenge-Gedanken wiedersprechen mag, gönne ich mir heute wegen persönlicher Überlastung eine Pause.

Tag 10: 2. März 2021

Einatmen! Das gestern über die Bühne gebrachte Projekt ist geschafft und ich nehme den Drive mit, um mit meinem Vorgesetzten über die Genehmigung der Nebenbeschäftigung zu sprechen. Ich hoffe, es verläuft so unproblematisch, wie es sich heute angehört hat. Ausatmen.

Tag 11: 3. März 2021

Hurra! Urlaub!

Erstmal Urlaub, den hab ich mir verdient! Ich nutze die Zeit, um für meinen treuen Dell-Laptop eine liebevolle Ebay-Kleinanzeige zu erstellen. Das erste Interesse eines Users verfliegt leider am gleichen Tag wieder. Positiv bleibt der Tipp eines Twitterers auf die Plattform Hey Alter! hängen.

Tag 12: 4. März 2021

Die in echte Todos verwandelten scheinbar wahllosen Notizen von Tag 3 finden auf einem Trello-Board ein neues Zuhause. Hach, das fühlt sich gut an!

Tag 13: 5. März 2021

Ohne Fleiß, kein Preis! Die Träume von meinem ersten Auftrag bleiben so lange Träume, wie ich sie nicht fixiere. Also mache ich mich ans Werk und arbeite an meinem ersten Pitch.

Tag 14: 6. März 2021

War eigentlich schon vorher klar: Für die Pitch-Unterlagen werde ich ein paar Tage Zeit brauchen. Wohlgemerkt, ich mache das alles nebenbei.

Tag 15: 7. März 2021

Version 1 der Unterlagen stehen. Nun muss ich etwas Abstand zum Dokument gewinnen und widme mich einem längst aufgeschobenen Todo, um meinen alten Laptop verkaufen zu können: Festplatte aufräumen. Das ganze gipfelt in einem exzessiven, digitalen Frühjahrsputz an dem „Zwischenspeicherplatz“ meiner Daten: der externe Festplatte .

Tag 16: 8. März 2021 WELTFRAUENTAG

Zurück zu den Pitch-Unterlagen. Ich finalisiere die letzten fünf Prozent aka Feinschliff und darf für ein fachfrauiges Feedback auf die Expertise der lieben Ute zurückgreifen. Danke nochmal an dieser Stelle und uneingeschränkte Empfehlung!

Selfcare zum Weltfrauentag

Tag 17: 9. März 2021

Ich schicke auf Grundlage der Pitch-Unterlagen ein erstes Angebot an ein potentielles Projekt und werfe innerlich drei Kilo Konfetti auf meinen Schreibtisch! Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Zur Feier des Tages gieße ich mir eine große Kanne Pfefferminztee, verfeinert mit einem Beutel Lieblingsmarkentee, frischer Zitrone und Honig auf und stoße mit allen, die möchten, an. 

Tag 18: 10. März 2021

Nach fünf Tagen Urlaub bin ich wieder zurück im Büro. Erste Amtshandlung: den nächsten Urlaub einreichen (saubere Psychologie!) und dann auch gleich den Mailentwurf zur Genehmigung meiner Nebenbeschäftigung abgeschickt.

Tag 19: 11. März 2021

Der Alltag kickt nach dem kurzen Urlaub wieder ordentlich rein, also komme ich nicht wirklich zu etwas „produktivem“. Immerhin startet heute eine dreiteilige Juleica-Weiterbildung zum Thema Selbstsorge. Na dann kann ich doch sicher noch was für mein künftiges Business-Ich dazulernen!

Tag 20: 12. März 2021

Auch heute nehme ich das Todo „Horizont erweitern“ in den Fokus. Passend zu meiner aktuellen Challenge stoße ich auf den Female Founders Online Congress, der Mitte April 2021 stattfindet. Die Anmeldung ist innerhalb von Sekunden erledigt.

Tag 21: 13. März 2021

Nach eifriger Recherche, langem Überlegen und dem nötigen Abstand zum Thema habe ich heute endlich einen neuen Monitor bestellt! Und zwar: second hand!

Tag 22: 14. März 2021

Endlich Feedback zu meinem ersten Angebot 🙂 Mein Ansprechpartner meldet zurück, wie professionell das Angebot sei und das sie – sobald der richtige Zeitpunkt im Projektverlauf gekommen ist – darauf zurückkommen. Ich verbuche das mal unter „perspektivische Zusage“ und freue mich ein bisschen.

Tag 23: 15. März 2021

In der Roadmap „90 Tage bis zur Gründung“ stoße ich auf viele hilfreiche Hinweise, u.a. über die Auswahl eines Betriebskontos. Ich beginne eine zögerliche Recherche. Im Grunde hat das Thema ja noch etwas Zeit.

Tag 24: 16. März 2021

Erinnert ihr euch an die Baustelle? Die ist ja jetzt schon etwas länger eingerichtet, also zumindest liegen da so ein paar Baustellen-Sachen rum. Heute kommt der neue Monitor! Mit dem großen Screen verschaffe ich mir Überblick über das Baustellen-Geschehen und beginne mit den ersten Ausführungen eines Business-Plans.

Neu, aber gebraucht. Gut für mich, gut für die Erde.

Tag 25: 17. März 2021

Die Nebentätigkeit ist offiziell von meinen Vorgesetzten genehmigt. Nun muss die Personalabteilung nur noch den Antrag bearbeiten. Yeah, es wird!

Tag 26: 18. März 2021

Zeit für eine Aktualisierung des Blogbeitrags. Liest hier eigentlich noch irgendwer mit?

Tag 27: 19. März 2021

Weil mir hier ja niemand unmittelbar antwortet, hole ich mir zwischendurch Feedback zu dieser Unternehmung ein. Bei einem spontanen Plausch gibt’s ein paar ehrliche und direkte Rückfragen aus dem Kreis der Erzeuger. Prädikat: wertvoll!

Tag 28: 20. März 2021

Hände hoch, wer schon von Madame Moneypenny gehört hat? Zu Weihnachten habe ich von meinem Chef (nochmal DANKE an dieser Stelle!) ihr Buch geschenkt bekommen und schmökere mich Stück für Stück durch. Sei es als Inspiration oder als Reflexionshilfe – hilfrech ist’s allemal. Auch für das, was ich künftig so vorhabe. Stichwort: Deinen Selbstwert und die eigenen Fähigkeiten kennen macht einen Unterschied!

Tag 29: 21. März 2021

Heute habe ich kreative Energie in mir gespürt und schwuppsdiwupps umgewandelt in eine Beta-Version eines Firmenlogos. Wie findet ihr es? Langfristig darf da auch mal eine Expertin ran, ich habe da schon weiterführende Ideen!

Tag 30: 22. März 2021

ICH HABE MICH GETRAUT! Zugegeben, der Beitrag ging nicht am 22. März live. Der Grund ist, dass die administrative Abwicklung der Genehmigung meiner Nebentätigkeit noch etwas Zeit in Anspruch genommen hat. Aber jetzt ist es raus in die Welt und das wird spätestens am Ostersonntag mit einem Sektfrühstück gefeiert! So lange ist hier nämlich noch (völlig unreligiös interpretierte) Fastenzeit.

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